Fernheizung
Die Fernheizung wird in Europa von Gemeinden seit fast 100 Jahren eingesetzt. Bis 1980 wurden ausschließlich Stahlrohranlagen mit Isolierung installiert, hauptsächlich in Betonkanälen. 1974 wurden Systeme mit Vorisolierung eingeführt, aber auch hierfür wurden weiterhin Stahlrohre verwendet. Jedoch blieb ein entscheidendes Problem - die Korrosion. Das gab den Anreiz für Energieversorgungsunternehmen in aller Welt nach korrosionsbeständigen Lösungen zu suchen.
Ein in Österreich ansässiges Energieversorgungsunternehmen gehörte zu den Pionieren, die alternative Lösungen untersuchten und die das Institut für Kunststoff an der Universität Leoben damit beauftragten, ein Prüfprogramm auszuführen, um die besten Lösungen für Niedrigtemperatur-Fernheizungsnetze zu ermitteln.
TDie Ergebnisse für das Innenrohr waren eindeutig - Polybuten-1 war der beste Kunststoff für erhöhte Temperaturen (bis zu maximal 95°C) - und dieses Ergebnis ermutigte das österreichische Energieversorgungsunternehmen, zusammen mit einem Rohrherstellungsunternehmen ein Joint-Venture zur Herstellung und Vermarktung von Rohrleitungssystemen mit Vorisolierung mit Innenrohren aus Polybuten-1 zu gründen.
Seitdem wurden 42 Rohrleitungssysteme unter Verwendung von 210 km Rohrlänge installiert. 70 km Rohrlänge wurden dabei vor 1987 installiert. Diese Rohrleitungssysteme wurden als sogenannte "Sekundärnetze" bezeichnet, die von Hauptleitungen aus mittels zentraler Transformerstationen mit Wärmetauschern zur Verringerung der Temperaturen auf maximal 90°C und der Minderung des Drucks auf 5 bar versorgt wurden.
Nach 8 Jahren Betrieb wurden einige dieser eingebauten Rohre aus Polybuten-1 an österreichische Prüfanstalten gesendet, um sie mit neuen Rohren zu vergleichen. Das erstaunliche Resultat war, dass die eingesetzten Rohre sich als noch fester erwiesen als die neuen Rohre aus Polybuten-1 - der Temper-/Härtungsvorgang, der während des Betriebs stattfindet, scheint eine positive Wirkung auf die Rohre zu haben, zumindest während der ersten 8 Jahre.
Das äußerst aggressive geothermische Wasser in Wien verursacht große Probleme, was die Korrosion in Metallrohrleitungssystemen anbetrifft. Als deshalb 1972 die neue geothermische Zentrale in Wien geplant wurde, unternahm man mit unterschiedlichen Rohre aus rostfreiem Stahl, PVC-C, Epoxid und Polybuten-1 einen 2-Jahre-Testzyklus. Polybuten-1 erwies sich als das beste Material und wurde anschließend für alle geothermischen Leitungen von der Quelle bis zur geothermischen Zentrale installiert mit einer Doppelhauptleitung von 225 mm Außendurchmesser von 1,4 km Länge und rund 2 km Länge Innenrohrleitungen mit Außendurchmessern von 20 mm bis 225 mm.
Alle diese Rohrleitungssysteme werden weiterhin bei 54°C und 10 bar ohne irgendwelche Ausfälle betrieben.